Türkischer Honig ist in Deutschland zuerst eine Jahrmarktsüßigkeit: weißer Nougat aus Eischnee, Zucker, Honig und gerösteten Nüssen. Mit Lokum, dem weichen Würfelkonfekt aus der Türkei, hat er nichts zu tun, und echter Bienenhonig aus der Türkei ist noch einmal ein eigenes Kapitel. Dieser Beitrag sortiert alle drei Bedeutungen, mit Vergleichstabelle.
Ein Begriff, drei völlig verschiedene Dinge. Der Reihe nach.
Was ist türkischer Honig, und woraus besteht er?
Der türkische Honig vom Jahrmarkt besteht aus steif geschlagenem Eiweiß, das mit einem heißen Sirup aus Honig und Zucker aufgeschlagen wird, bis eine feste, schneeweiße Masse entsteht. Dazu kommen geröstete Mandeln, Haselnüsse oder Erdnüsse. Zwischen zwei Oblaten gepresst und getrocknet, wird daraus der Block, den der Händler auf der Kirmes mit dem großen Messer teilt.
Handwerklich gehört die Süßigkeit zur Nougat-Familie. Im Handel heißt dieselbe Machart weißer Nougat, in Frankreich Nougat de Montélimar, in Italien Torrone, in Spanien Turrón. Honig ist tatsächlich enthalten, allerdings als eine Zutat neben deutlich mehr Zucker. Ein reines Honigprodukt ist türkischer Honig also nicht.
Wie wird türkischer Honig gemacht?
Honig und Zucker werden zu einem heißen Sirup gekocht und in dünnem Strahl in Eischnee eingeschlagen. Die Masse wird so lange weitergerührt, bis sie trocken genug ist, um geröstete Nüsse zu tragen, dann zwischen Oblaten gepresst und in Ruhe ausgehärtet. Je länger sie trocknet, desto härter und spröder bricht der fertige Block.
Auf Kirmes und Jahrmarkt wird er klassisch als ganzer Block verkauft und stückweise abgeschlagen. Die weiche, zähe Variante aus der Tüte ist schlicht frischer und kürzer getrocknet. Mit Lokum hat all das nichts zu tun: Dort wird keine Luft eingeschlagen, sondern Stärke gekocht.

Warum heißt türkischer Honig so, und was hat Narnia damit zu tun?
Eindeutig belegt ist der Name nicht. Wahrscheinlich kam er im 19. Jahrhundert auf, als Nougat- und Honigsüßigkeiten auf Messen als orientalische Ware verkauft wurden; der Orientbezug blieb am Namen hängen, die Rezeptur selbst ist europäische Jahrmarkttradition. In der Türkei kennt man die Süßigkeit unter diesem Namen nicht.
Für die größte Verwirrung sorgt allerdings eine Übersetzung: In der deutschen Fassung der Chroniken von Narnia bekommt Edmund von der Weißen Hexe türkischen Honig. Im englischen Original isst er Turkish Delight, also Lokum. Generationen von Leserinnen und Lesern haben die beiden Süßigkeiten deshalb im Kopf vertauscht.
Ist türkischer Honig Lokum?
Nein. Lokum wird aus Stärke, Zucker und Wasser langsam zu einem weichen Gel gekocht und mit Rosenwasser, Zitrone oder Nüssen verfeinert; türkischer Honig ist ein luftig geschlagener, fester Nougat auf Eiweißbasis. Die beiden teilen weder Zutaten noch Konsistenz, nur eine verwirrende Namensgeschichte.
Was Lokum genau ist, welche Sorten es gibt und wie es hergestellt wird, lesen Sie in unserem Beitrag über Lokum und seine Geschichte. Wer das weiche Würfelkonfekt selbst kochen möchte, findet in unserem Lokum-Rezept die Methode mit Stärke, Zucker und Rosenwasser Schritt für Schritt.
Türkischer Honig, Lokum oder echter Honig? Der Überblick
Die folgende Tabelle stellt die drei Bedeutungen nebeneinander; die letzte Zeile verrät, was Sie in der Türkei bekommen, wenn Sie dort nach türkischem Honig fragen.
| Türkischer Honig (Jahrmarkt) | Lokum (Turkish Delight) | Echter Honig aus der Türkei | |
|---|---|---|---|
| Was es ist | Weißer Nougat mit Nüssen, eine Schaumzuckerware | Weiches Würfelkonfekt auf Stärkebasis | Bienenhonig, etwa Pinien-, Anzer- oder Karakovan-Honig |
| Grundzutaten | Eischnee, Honig, Zucker, geröstete Nüsse, Oblaten | Stärke, Zucker, Wasser, Aromen wie Rosenwasser | Nektar oder Honigtau, sonst nichts |
| Konsistenz | Fest bis hart, luftig, bricht spröde | Weich, zäh, geleeartig | Flüssig bis cremig, als Wabe auch zum Kauen |
| Zuhause | Kirmes und Jahrmarkt in Deutschland und Österreich | Konditoreien und Basare in der ganzen Türkei | Bienenstöcke von der Ägäis bis Ostanatolien |
| Türkischer Name | Keiner, die Süßigkeit ist dort unbekannt | Lokum | Bal |
Echter Honig aus der Türkei: Pinienhonig, Anzer und Karakovan
Die Türkei ist nach China der zweitgrößte Honigerzeuger der Welt, mit deutlich über 100.000 Tonnen im Jahr. Wichtiger als die Menge ist die Vielfalt: Pinienwälder an der Ägäis, Kastanienwälder am Schwarzen Meer und Hochebenen über 2.000 Metern liefern Sorten mit sehr eigenem Charakter. Drei davon sollten Sie kennen.
Pinienhonig von der Ägäisküste
Pinienhonig (auf Türkisch çam balı) ist kein Blütenhonig, sondern ein Honigtauhonig, nach deutscher Einteilung also ein Verwandter des Waldhonigs. Die Bienen sammeln den Honigtau der Schildlaus Marchalina hellenica, die auf den Kiefern rund um Muğla lebt. Rund neun Zehntel der Weltproduktion stammen von dieser Küste; dasselbe Ökosystem versorgt auch die griechische Ägäis. Der Honig ist dunkel, malzig und deutlich weniger süß als Blütenhonig.
Anzer-Honig aus dem Hochland von Rize
Anzer-Honig kommt von einer einzigen Hochebene auf rund 2.300 Metern in der Schwarzmeerprovinz Rize. Dort wachsen mehrere hundert Blütenpflanzen, ein Teil davon nur an diesem Ort. Geerntet wird einmal im Jahr und in kleinen Mengen, weshalb Anzer-Honig zu den teuersten Honigen der Welt zählt.
Karakovan-Honig aus Hakkâri
Karakovan bezeichnet die traditionelle Haltung in ausgehöhlten Baumstämmen, ohne vorgefertigte Mittelwände: Die Bienen bauen jede Wabe komplett selbst. Unser Karakovan-Honig stammt von Imkern aus dem Bergland von Hakkâri im Südosten der Türkei, die ihre Stöcke nur einmal im Jahr, am Ende des Sommers, öffnen und den Honig als ganze Wabe verkaufen. Diese und weitere Sorten führen wir in unserer Honig-Auswahl direkt aus der Türkei.
Wie schmeckt türkischer Honig, und wie isst man ihn?
Der Jahrmarkt-Nougat schmeckt süß, mild nach Honig und vor allem nach gerösteten Nüssen; frisch ist er zäh, gut getrocknet bricht er glasig. Echter türkischer Honig deckt ein viel breiteres Spektrum ab: Pinienhonig herb und malzig, Anzer-Honig blumig und vielschichtig, Karakovan-Wabenhonig mit dem Wachs zum Kauen.
In der Türkei gehört Honig traditionell zum Frühstück: über Kaymak gelöffelt, einem dicken Rahm, dazu frisches Weißbrot und schwarzer Tee. Auch in Sesampaste gerührt (Tahin mit Honig ist ein Klassiker) oder zu dickem Joghurt wird er seit jeher gern gegessen.
Kurz zusammengefasst
Türkischer Honig ist dreierlei: auf dem Jahrmarkt ein weißer Nougat, in Narnia eine unglückliche Übersetzung für Lokum, in der Türkei schlicht bal, echter Honig von Pinienwald bis Hochebene. Wenn Sie die Narnia-Süßigkeit probieren möchten, werden Sie in unserer Auswahl an traditionellem Lokum aus Istanbul fündig; der Honig aus Hakkâri und von der Ägäis steht gleich daneben im Sortiment. Beides verschicken wir direkt aus der Türkei.

Häufige Fragen zu türkischem Honig
Was ist das Besondere an türkischem Honig?
Beim Jahrmarkt-Nougat ist es die Machart aus Eischnee und heißem Honigsirup samt Kirmes-Nostalgie. Beim echten Honig ist es die Landschaft: Pinienwälder, Kastanienküste und Hochebenen über 2.000 Metern bringen Sorten hervor, die es in dieser Form nur in der Türkei gibt.
Wie heißt türkischer Honig noch?
Im Handel heißt die Jahrmarktsüßigkeit meist weißer Nougat oder Honignougat. Eng verwandt sind Nougat de Montélimar in Frankreich, Torrone in Italien und Turrón in Spanien. In Ungarn trägt dieselbe Kirmessüßigkeit sogar fast denselben Namen: törökméz, wörtlich türkischer Honig.
Welcher türkische Honig ist der beste?
Das hängt davon ab, was Sie suchen. Als seltenste und teuerste Sorte gilt Anzer-Honig aus Rize; wer kräftige, wenig süße Honige mag, greift zu Pinienhonig; Karakovan-Wabenhonig ist die ursprünglichste Form. Eine objektive Rangliste gibt es nicht, klare Geschmacksprofile schon.
Ist im türkischen Honig vom Jahrmarkt echter Honig enthalten?
Ja, die klassische Rezeptur enthält echten Honig im Sirup, allerdings neben deutlich mehr Zucker oder Glukosesirup. Ein Honigprodukt im Sinne des Lebensmittelrechts ist der Nougat damit nicht; er zählt zu den Schaumzuckerwaren.
Wie bewahrt man türkischen Honig auf?
Den Nougat trocken und luftdicht, sonst zieht er Feuchtigkeit und wird klebrig. Echten Honig lagern Sie dunkel bei Zimmertemperatur. Dass Pinienhonig dabei monatelang flüssig bleibt, ist normal: Honigtauhonige kristallisieren von Natur aus sehr langsam.
